Warum Schwänzen politisch und Schule kacke ist

(Jonas Deyda und Paul Kreiner 2012)

Wäre es nicht so viel schöner jetzt…

Wer von uns hat eigentlich Bock auf diese Schule? Wahrscheinlich springen die wenigsten von uns um 7:00 morgens freudestrahlend aus dem Bett, um zur Schule zu gehen. Aber obwohl wir keine Lust haben und ausschlafen wollen, quälen wir uns Morgen für Morgen in die Schulen.
Da lernen wir dann Mathe, obwohl uns strahlender Sonnenschein an die Weser zieht. Da pauken wir dann Vokabeln, obwohl wir die Augen kaum aufhalten können. Zuhause setzen wir uns dann an die Hausaufgaben, obwohl wir uns lieber mit unseren Freund_innen treffen würden. Und am Wochenende lernen wir für Klausuren und Klassenarbeiten, obwohl wir unbedingt mal wieder feiern gehen müssten, um den ganzen Schulstress zu vergessen. Das traurige ist, jede_r von uns hat wahrscheinlich noch viel mehr Beispiele dafür, wie nervig Schule ist und wie wenig Platz sie für unsere eigenen Interessen lässt.

Sind denn alle bescheuert?

Warum machen wir das eigentlich mit?
Vielleicht weil wir dauernd zu hören kriegen: „Hier in der Schule lernst du für dich und dein Leben!“. Aber lernen wir wirklich für uns? Wann können wir den entscheiden, was wir lernen wollen? An welcher Schule können wir denn entscheiden, wie wir lernen wollen oder wie viel Zeit wir für irgendein Thema brauchen? Wer entscheidet hier eigentlich völlig über unsere Köpfe hinweg, was wir für uns und unser Leben lernen wollen?
Noch eine andere bei Lehrern und Eltern beliebte Phrase: „Du bist dafür verantwortlich, was aus dir wird, also mach was aus dir!“
Das heißt doch eigentlich: „Lerne nicht das, was dich interessiert oder das, was du für notwendig hältst, sondern lerne, was der Lehrplan dir vorsetzt und lerne nur für deine Noten!“

Wir sind also nicht in der Schule, um uns zu erklären, wie die Welt funktioniert, sondern um für Noten zu lernen. Die guten Noten sind zwar keine Garantie aber trotzdem eine Vorraussetzung für ein angenehmes Leben nach der Schule. Das klingt doch ziemlich nach Erpressung: „Entweder du lernst das, was der Lehrplan sagt und versuchst gut Noten zu bekommen, oder du wirst es später mal ziemlich schwer haben!“ Das müssen wir uns nicht gefallen lassen: In der Schule sollte es doch um unsere Interessen, unsere Neugierde und unsere Begeisterung gehen! Es sollte um die Schüler*innen gehen und nicht um Noten, Leistung und noch mal Noten?!

Warum machen wir das eigentlich mit? Weil wir müssen! Ganz offensichtlich ist Schule eine Zwangsveranstaltung, die niemand besucht, weil es ihm oder ihr Spaß macht. Das muss man sich erst einmal klar machen: Schule ist kein Ort, an dem begeistert gelernt, Neugierde befriedigt, und Wissen solidarisch geteilt wird – nein: Schule ist ein Ort, an dem gezwungenermaßen und fremdbestimmt gelernt wird, ein Ort den wir garantiert nicht fünf mal in der Woche besuchen würde, gäbe es keine Schulpflicht (ein Gesetz, das uns in die Schule zwingt!) und gäbe es keine Erpressung durch Noten.

Wie kommen wir denn da wieder raus?

Wir nehmen uns doch alle schon unsere kleinen Auszeiten… Auszeiten zum erholen, Auszeiten zum Spaß haben, Auszeiten um Zeit für eigene Interessen zu haben. In der Schule heißt dieses Auszeitennehmen dann „Schwänzen“ oder „unentschuldigtes Fehlen“. Doch was ist denn eigentlich so verwerflich an unseren Auszeiten? Welche Behörde oder welches Schulgesetz nimmt sich eigentlich die Frechheit heraus uns zu verbieten, keine Lust auf diese Schule zu haben?
Wir verweigern uns mit diesen Auszeiten einer Schule, die sich unseren Interessen verweigert. Wenn wir Auszeiten brauchen, ist das ein Zeichen, dass wir in dieser Schule nicht einfach weitermachen können oder wollen. Und das ist nicht unser Problem, sondern das Problem dieser Schule. Schwänzen – das machen viele von uns alleine und für sich und werden irgendwann dafür bestraft. Wenn eh viele von uns Schwänzen und Auszeitennehmen legitim ist, warum machen wir das dann nicht zeitgleich alle am gleichen Tag. Warum sagen wir nicht alle: „Nein, so wie Schule gerade ist, da haben wir einfach keine Lust drauf!“ Um so mehr Schüler_innen an diesem Tag schwänzen, um so schwieriger ist es, irgendjemanden dafür zu bestrafen.

Müssen wir ewig weiter leiden und schwänzen?

Aber die Sache ist nicht ganz hoffnungslos, Schule muss nicht für immer ein Ort bleiben, an dem es nur um Noten geht, an dem wir ständig dem Druck ausgesetzt sind, am besten sein zu müssen. Schule muss nicht für immer ein Ort bleiben, vor dem Menschen Angst haben, weil dort unsere Interessen nichts zählen. Schule muss kein ein Ort bleiben, der so gruselig ist, dass wir ihn beschwänzen müssen. Wenn wir uns zusammen tun, uns in Schüler_innenvertretungen (sowohl in Schulen als auch auf Bremen-Ebene: GSV, Schmidtstraße 10) organisieren und verschiedene Schulen miteinander vernetzen, dann können wir uns darüber austauschen, was uns an dieser Schule eigentlich so gewaltig stört, dass wir schwänzen, dann können wir unsere Gestaltungsspielräume und Mitbestimmung ausdehnen und eine Schule fordern und durchsetzen in der… <hier persönliche Ideen von Schule, wie sie sein sollte, einsetzen>

[Text unfertig, Anm. d. Autors]

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