Pressemitteilung vom 14.11.2012

Sehr geehrte Bundes- und Lokalpresse,

Ungefähr 1000 Schüler_innen folgten gestern unserem Aufruf und versammelten sich gegen 12 Uhr zur Auftaktdemo der Protestwoche am Bahnhofsvorplatz. Unser Protestzug verlief vorbei an der Bildungsbehörde, durch die Bremer Innenstadt und endete schließlich mit einer Abschlusskundgebung am Marktplatz.
Die Anzahl der Demonstrationsteilnehmer_innen fiel geringer aus als erwartet. Wir erklären uns das an 2 Punkten: Erstens wurden viele Schüler_innen von ihren Schulleitungen mit der Tatsache konfrontiert, dass ihre Teilnahmebestätigungen, die nach der Demonstration von uns ausgehändigt wurden, keine Gültigkeit besäßen. Wir sind uns im Klaren darüber, dass Letztere keine offiziellen Entschuldigungen darstellen und es in der Hand der einzelnen Schulen bzw. Lehrer_innen liegt, ob sie die Unterrichtsabwesenheit der Schüler_innen entschuldigen. Dennoch stellen wir uns die Frage, warum sich die Schulleitungen und/oder Lehrer_innen bezüglich dieses Themas quer stellen und unbedingt Anspruch auf eine Entschuldigung der Eltern erheben. Wird dadurch nicht die Legitimität des Protestes in Form des Streiks in Frage gestellt?
Wenn wir dann noch erfahren, dass sich vereinzelt Schüler_innen in 7 Sätzen dafür rechtfertigen müssen, warum sie an dem Bildungsprotest teilnehmen, oder gar Bildungstreik-Verbot haben, lässt sich ein gewisses Maß von repressiven Maßnahmen gegen Schüler_innenproteste nicht leugnen. So entsteht schnell Druck und ein_eine Schüler_in denkt zweimal darüber nach, ob er_sie unentschuldigte Fehlzeiten (evtl. sogar kurz vor dem Schulabschluss) in Kauf nimmt.
Zweitens erhielten wir einige 'Absagen' mit der Begründung, es gäbe von unserer Seite nicht einmal Forderungen an die Politik, oder uns wurde unterstellt, nicht in der Lage zu sein, Alternativen zu den jetzigen Zumutungen im Schulwesen zu formulieren. Erst wenn wir einen durchdachten und ausformulierten Masterplan haben, sollten wir den Protest auf die Straße bringen. Richtig ist zwar, dass wir keine Forderungen haben, die den Rücktritt der Bildungssenatorin oder mehr Geld für Bildung beinhalten, doch wir halten fest, dass dieser Aspekt nie der Inention der momentanen Aktionswoche entsprach.
Vielmehr wollen wir Misstände aufzeigen und Alternativen mit einer breiteren Schüler_innenschaft erarbeiten und ausdiskutieren. Und wir wollen das tun ohne den Symptomen eines sowieso schon maroden Schulsystems hinterherzujagen.
Außerdem ist es uns ein Rätsel, wie sehr von der Alternativlosigkeit von Bildung ausgegangen wird und wie naiv sie teilweise innergesellschaftlich akzeptiert wird. Kämpfe um eine befreite Schule werden eben nicht von jetzt auf gleich gewonnen und das grundlegende Problem der Selektion z.B. lässt sich wohl kaum durch das Hinarbeiten auf realpolitische Ziele lösen. Weil wir keine Forderungen haben, ist unser Protest noch lange nicht destruktiv!

Wir sehen es als ebenso nennenswert an, dass es von Bildungssenatorin Jürgens-Pieper ein indirektes 'Gesprächsangebot' gab. Dieses 'Angebot' wurde lediglich über eine Pressemiteilung unterbreitet und sah ein Gespräch mit uns ab 13h in der Bildungsbehörde vor. Was schon aus logistischen Gründen für unseren Organisationskreis schwer umsetzbar gewesen wäre, da unsere Auftaktdemo währenddessen in vollem Gange war, ergibt jedoch aus anderen Gründen einfach keinen Sinn:
Wir sehen im Gespräch mit der Bildungssenatorin nur die Verschwendung von Zeit und in keinem Fall Anzeichen von Fortschritt für unseren Protest. Frau Jürgens-Pieper wies schon bei den letzten Schüler_inmenprotesten regelmäßig darauf hin, dass ihr 'die Hände gebunden' seien und sie nicht die 'politische Macht' für Veränderungen im Bildungswesen habe. Da es in diesem Zusammenhang noch um die Rücknahme von Stundenkürzungen ging, konnten wir uns ihre Antworten auf grundglegende Kritik an Schule leicht ausmalen.
Daher gehen wir lieber unseren Weg und versuchen mit unserer Aktionswoche vom 14.-21.11. Raum für Diskussionen und kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, in der Schule inkludiert ist, zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen
Das Presseteam des "YODA"-Aktionsbündnisses (am Donnerstag, den 15. November um 9:00 Uhr)